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Beitragsreihe im Frühjahr: Mobbing und Bullying – Heilung durch Verbundenheit

Was unter Mobbing oder Bullying zu verstehen ist, habe ich im ersten Teil dieser Themenreihe erläutert. Wer unter Mobbing oder Bullying gelitten hat, trägt oft tiefe seelische Wunden davon. Das Vertrauen in sich selbst und andere ist erschüttert, Scham- und Schuldgefühle nagen am Selbstwert. Doch es gibt Wege aus diesem Teufelskreis – und einer davon führt über die Erfahrung von Verbundenheit und Solidarität in der Gruppe. Inwiefern Erfahrungen in der Gruppentherapie als tröstend und damit heilsam empfunden werden können, habe ich bereits im Februar geschildert.

Foto von Clay Banks auf Unsplash
Foto von Clay Banks auf Unsplash

In der Gruppentherapie kommen Menschen zusammen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Sie alle kennen die Ohnmacht, die Verzweiflung und die Einsamkeit, die Bullying und Mobbing auslösen kann. In der Gruppe erleben sie oft zum ersten Mal, dass sie mit ihrem Leid nicht alleine sind. Sie erfahren Verständnis, Mitgefühl und Unterstützung von Menschen, die wissen, was sie durchgemacht haben. Dieser Austausch kann unglaublich entlastend und heilsam sein. Die Betroffenen merken, dass nicht sie selbst das Problem sind, sondern dass die Ursachen für das Mobbing in den Täter:innen und den Umständen liegen. Sie lernen, die Schuld- und Schamgefühle abzulegen und sich selbst wieder mit Mitgefühl und Wertschätzung zu begegnen.

In der Sicherheit der Gruppe können die Teilnehmenden auch neue, korrigierende Beziehungserfahrungen machen. Sie üben, sich zu öffnen und zu vertrauen, Konflikte konstruktiv auszutragen und Feedback anzunehmen. Sie erleben, dass es möglich ist, respektvoll und auf Augenhöhe miteinander umzugehen – eine Erfahrung, die viele von ihnen noch nie oder über einen längeren Zeitraum nicht gemacht haben.

 

Durch den Austausch und die gegenseitige Unterstützung wachsen die Teilnehmenden oft über sich hinaus. Sie entdecken Stärken und Ressourcen an sich, die sie längst vergessen oder verloren geglaubt hatten. Sie lernen, für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen und Grenzen zu setzen. Und sie entwickeln neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten für ihr Leben. Die Gruppe bietet einen geschützten Raum, in dem die Betroffenen ihre Erfahrungen verarbeiten und integrieren können. Durch die Spiegelung und Resonanz der anderen lernen sie, ihre eigenen Muster und Glaubenssätze zu hinterfragen und zu verändern. Sie üben neue Verhaltensweisen ein und festigen ihre Selbstwirksamkeit und ihr Selbstvertrauen.

Foto von Erika Giraud auf Unsplash
Foto von Erika Giraud auf Unsplash

Ein wichtiger Aspekt der Gruppentherapie ist auch die Erfahrung von Solidarität und gemeinsamer Stärke. Die Teilnehmenden erleben, dass sie zusammen etwas bewirken und verändern können – sei es durch gegenseitige Unterstützung, durch Öffentlichkeitsarbeit oder durch politisches Engagement gegen Mobbing/Bullying und für eine Kultur der Wertschätzung und des Respekts.

Natürlich ist der Weg der Heilung kein leichter. Es braucht Mut, sich der eigenen Verletzlichkeit zu stellen und sich auf die Unterstützung anderer einzulassen. Doch die Erfahrung zeigt, dass die Gruppentherapie für viele Betroffene ein wertvoller Schlüssel zu einem neuen Lebensgefühl sein kann.

Foto von Shane Rounce auf Unsplash
Foto von Shane Rounce auf Unsplash

Wenn auch Sie unter Mobbing/Bullying oder den Folgen davon leiden und nach Wegen suchen, die Wunden zu heilen, kann eine Gruppentherapie ein hilfreicher Ansatz sein. Wo und wie Sie zusätzlich Unterstützung erhalten, erfahren Sie im dritten Teil dieser Beitragsreihe.

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Michaela Legl-Bruckdorf, B.A., MSc

Psychotherapeutin 

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